linthwerk

Zürichsee-Zeitung  vom 19.04.2013 zum Linthwerk:
«Wir haben Kulturland verloren»

Linthwerk. Die Bevölkerung soll die 30 Kilometer Wege und die aufgewertete Flusslandschaft geniessen können. Gleichzeitig sollen Tiere und Pflanzen geschützt werden. Neben regelmässigen Kontrollen setzt die Linthkommission auf die Vernunft.

Im Interview: Marianne Steiner SVP-Kantonsrätin und Linthwerk-Kritikerin, Kaltbrunn

von ELVIRA JÄGER // ZSZ
Bild: Reto Oeschger

Hatten Sie schon Zeit, sich das Linthwerk oder zumindest einzelne Abschnitte genauer anzuschauen?
Aus Zeitgründen konnte ich die Arbeiten nicht regelmässig verfolgen. Ich war aber vor Ort, wenn ich gerufen wurde, beispielsweise im Juni 2012, als ein ganzes Maisfeld auf der Höhe Hänggelgiessen auf der Biltner Seite unter Wasser stand. Demnächst nehme ich mir nun aber mal die Zeit, den ganzen Kanal mit dem Bike abzufahren.

Wie ist Ihr erster Eindruck?
Grundsätzlich hat sich an meiner Einstellung nichts geändert: Wir haben 26 Hektaren Kulturland verloren. Die 6 Hektaren im Hänggelgiessen waren das beste Kulturland – im Gegensatz zum umliegenden Land nicht drainiert. Die getroffenen Massnahmen machen wenig Sinn, denn bei der Linth handelt es sich um einen Aquädukt, der vom Walen- bis zum Zürichsee kein Geschiebe mitbringt. Der ökologische Nutzen ist daher denkbar klein. Mit der Ausweitung hat man zudem die Chance verpasst, die Wasserkraft zu nutzen. Das wäre aber angesichts des geplanten Ausstiegs aus der Atomkraft wichtig.

Ist der Kulturlandverlust wirklich so einschneidend?
Als Konsumentin möchte ich auch in Zukunft Produkte aus der Region kaufen können. Wenn immer  weniger Kulturland zur Verfügung steht oder nur noch ökologische Massnahmen abgegolten werden, werden wir bald gezwungen sein, noch mehr importierte Produkte zu kaufen, die kilometerweit durch die  Gegend gefahren werden. Fleischskandale lassen grüssen!

Ihr zentrales Anliegen war und ist der Hochwasserschutz. Wie beurteilen Sie die diesbezüglichen Massnahmen?
Wir haben nun ein völlig neues Werk, das mit über 120 Mio. Franken um mehr als die Hälfte teurer wurde als budgetiert. Die Mehrkosten werden uns aber nicht mehr Sicherheit bringen, im Gegenteil: Bei Extremhochwasser ist vorgesehen, die Schänner Ebene zu überfluten. Das können bis zu 8,5 Mio. Kubikmeter Wasser sein. Die werden Schäden an den Fluren und an den Drainageleitungen verursachen. Für Schänis wird der Hochwasserschutz also schlechter, und für die Linth-Melioration werden wesentlich höhere Kosten beim Unterhalt entstehen.

Sie waren eine der schärfsten Kritikerinnen des Linthwerks. Wurden Sie von den Befürwortern angefeindet?
Nachdem der zuständige Bauchef, Regierungsrat Willi Haag, nie ein Gespräch und noch viel weniger eine andere Meinung zuliess, sind schon zum Teil die Fetzen geflogen … Diese Fehler müssen beim geplanten Rhesi-Projekt am Rhein dringend vermieden werden. Wie werden Sie die Entwicklung an der Linth in den nächsten Monaten beobachten? Das nächste Hochwasser kommt ganz bestimmt, und ich werde als  Kantonsrätin natürlich sehr genau ein Auge darauf werfen.