wildschwein

Zürichsee-Zeitung vom 25.04.2013:
Abschüsse in der Nacht gefordert

KALTBRUNN Die SVP-Kantonsrätin Marianne Steiner fordert eine effizientere Jagd auf Wildschweine. Sie will die St. Galler Regierung dazu bewegen, Nachtzielgeräte zu bewilligen, um auf diese Weise der Plage Herr zu werden. Der Tierschutz begrüsst die neue Methode.

MAGNUS LEIBUNDGUT // ZSZ
Bild: zVg

In Maseltrangen ist die Empörung gross: Wie bereits in den vergangenen Jahren wurde die schönste Alpweide, die Obere Steinegg, von Wildschweinen heimgesucht. Den Boden wälzten die Tiere diesmal zu drei Vierteln um und suchten das Gelände nach Knollen der Frühlingskrokusse ab, berichten die Ortsbürger: «Die Schäden sind enorm. Zusammen mit der Jagdgesellschaft wurde der Boden so gut es ging wieder instand gestellt.»

Bauern besser entschädigen
Nun will die Kaltbrunner Kantonsrätin Marianne Steiner dem Treiben einen Riegel schieben. Weil die Population der Wildschweine von Jahr zu Jahr wachse, würden die Schäden an Kulturland massiv zunehmen und finanziell ins Untragbare gehen: «Betroffen sind Landwirte, die nicht nur einmal, sondern wiederholt von den Wildsauen heimgesucht wurden.» Die Behebung dieser Schäden würde Tausende von Franken kosten, die zu Lasten der Land- und Waldbesitzer gingen. In ihrer Interpellation regt Steiner an, die Abgeltung für den Wildschaden neu zu regeln und die Bauern besser zu entschädigen.

Mit Nachtzielgeräten jagen
Marianne Steiner fordert eine Revision der Jagdverordnung und des Jagdgesetzes. Es sei unbestritten, dass die Jagd mit den vorhandenen Mitteln nicht in der Lage ist, Wildschäden auf ein tragbares Mass zu reduzieren. Die Kantonsrätin schlägt vor, die Jäger mit «künstlichen  Lichtquellen zur nächtlichen Ansitz- und Pirschjagd der Wildschweine» auszustatten. Sie verweist auf den Kanton Aargau, der diese Methode bereits bewilligt hat. Unterdessen will auch der Zürcher Kantonsrat Nachtzielgeräte zulassen.

Zweifel an neuer Methode
Wildhüter Mirko Calderara sagt, der Kanton St. Gallen könne bereits jetzt die Jagd auf Wildschweine mit Nachtsichtzielgeräten bewilligen. Diese könnten zwar die Jagd auf die Tiere erleichtern, seien aber sehr teuer (ein Gerät kostet bis 10 000 Franken). Der Wildhüter bezweifelt, ob sie notwendig sind: Im Gegensatz zu den umliegenden Kantonen sei die Population im St. Galler Gebiet nicht so gross, dass sich die Jagd mit Nachtzielgeräten aufdränge. «In jedem Fall sollten Wildschweine nur im Schadensgebiet auf den Feldern und nicht im Wald mit diesen Geräten bejagt werden», betont Calderara. Die Jagd mit Lichtquellen auf Wildschweine bringe zudem die Jäger unter Druck: «Dann müssen sie bereit sein, in jeder Nacht auszurücken.» Natürlicher Feind der Wildschweine sei der Wolf, der neuerdings im Kanton St. Gallen aufgetaucht ist. Calderara bezweifelt allerdings, dass es der Wolf schaffe, im Linthgebiet das Schwarzwild zu jagen. Hans-Ulrich Huber, Geschäftsführer beim Schweizer Tierschutz, begrüsst die neue Methode: Dank dieser könnten Wildschweine rasch, sicher und schmerzlos erlegt werden. Bei der traditionellen Bejagung würden die Tiere um einiges mehr leiden. Der St. Galler Kantonstierarzt Albert Fritsche versteht das Anliegen der Kaltbrunner Parlamentarierin: Dank Nachtzielgeräten sei die Bejagung der Wildschweine einfacher. Und da diese Tiere für massive Schäden sorgen und sehr schwer zu erlegen seien, stünde dem Einsatz dieser Geräte aus seiner Sicht nichts im Wege.

Hiesige statt fremde Jäger
Steiner macht in ihrer von 43 Kantonsräten unterzeichneten Interpellation auf ein weiteres Problem in bestimmten Revieren aufmerksam: «Vielfach sind keine ortsansässigen Jäger dabei, und der grosse Anfahrtsweg stellt meist ein erhebliches Hindernis dar.» Die Kantonsrätin fordert, dass die Reviere von hiesigen Jägern bejagt werden und dass diesen das Jagdrecht erteilt wird in Gebieten, die ihnen gehören, in denen sie aber laut Gesetz nicht jagen dürfen.