Kaltbrunn bleibt Kaltbrunn.

Kaltbrunn will selbstständig bleiben und die Fusion mit Uznach, Benken und Schmerikon gar nicht erst prüfen. Mit lauten Jubelrufen haben fast alle der 651 Bürger die Fusion unmissverständlich abgeschossen.

Text: Willi Meissner, Südostschweiz
Bild: Marco Lügstenmann, Zürichsee-Zeitung

Der Andrang an der Fusionsversammlung in Kaltbrunn war sogar für die Mehrzweckhalle Kupfentreff zu viel. Zehn Minuten nach dem offiziellen Versammlungsbeginn strömten immer noch Bürger in die Halle. Insgesamt wollten 651 Stimmbürger über die Prüfung der Fusion mit Uznach, Benken und Schmerikon abstimmen. Nach rund eineinhalbstündiger Diskussion war klar, dass eine Fusion in Kaltbrunn nicht den Hauch einer Chance hat. Kaum mehr als eine Handvoll der Anwesenden stimmte für die vertiefte Prüfung der Fusion. Die überwältigende Mehrheit lehnte den Antrag des Gemeinderates ab – gefolgt von donnerndem Applaus und lauten Jubelrufen. Aufs Zählen verzichtete Gemeindepräsident Markus Schwizer: «Das Bild ist klar.»


Nur ein Votum für die Fusion

Die klare Ablehnung der Fusionsprüfung zeichnete sich bereits nach dem ersten Votum ab. Ein Bürger  wollte vom Gemeinderat wissen, ob eine Fusion auch Nachteile hätte. Bezogen auf die Rede von Gemeindepräsident Markus Schwizer sagte er: «Bisher habe ich nur Vorteile gehört.» Nachdem der tosende Applaus auf die Frage im Saal abebbte, antwortete Schwizer. «Nachteile gibt es vor allem auf emotionaler Ebene», sagte er. Etwa in Bezug auf das Heimatgefühl, die Entfernung zur Verwaltung oder grössere Anonymität.

Die objektiven Vorteile solle man dennoch prüfen, so Schwizer. Im Verlauf der weiteren Diskussion machten die Stimmbürger aber keinen Hehl aus ihrer Ablehnung der Fusionsprüfung. Sechs weitere Votanten ergriffen in der Diskussion noch das Wort. Einzig SP-Kantonsrätin Eva Keller sprach sich dabei für die Fusionsprüfung aus: «Nur eine vertiefte Prüfung zeigt, was uns eine Fusion bringen könnte.» Die anschliessende Stille im Saal sprach Bände über die Stimmung der Anwesenden.


«Wir wollen keine Stadt werden»

Ganz anders kam dagegen das Votum von SVP-Kantonsrätin Marianne Steiner an. Sie forderte von den Stimmbürgern ein «klares Signal» zur Erhaltung der Selbstständigkeit von Kaltbrunn. «Wir wollen als  ländliche Gastergemeinde keine Stadt werden », sagte sie. Beinahe der ganze Saal antwortete darauf mit lautem Beifall. Ähnliche Zustimmung erhielten auch die übrigen Votanten, die sich gegen die Fusionsprüfung aussprachen. So griff eine Votantin das Beratungsunternehmen Sonderegger + Sonderegger direkt an. Die Firma war unter anderem an der Öffentlichkeitsarbeit im Vorfeld der Bürgerversammlung beteiligt. «Ich will davor warnen, die arbeiten nicht neutral», sagte sie. Das habe man bereits an den Broschüren zur Fusion und am Infoabend in Kaltbrunn gemerkt. Das Unternehmen wolle, dass die Gemeinden fusionieren. Die Kaltbrunner wollten dies am Ende jedoch unmissverständlich nicht. Obwohl sich der Gemeinderat für die Fusionsprüfung ausgesprochen hatte. Gemeindepräsident Schwizer konnte auch der Ablehnung noch etwas Positives abgewinnen: «Immerhin hatten wir eine sehr gut besuchte Bürgerversammlung.»

Wir sind, wer wir sind und wir bleiben wer wir sind!